Stadtnachricht

Blautopf Areal: Ideen – und Realisierungsteil im Wettbewerbsgebiet


Das Sanierungsgebiet rund um den Blautopf wurde 2019 in das Bund-Länder-Programm aufgenommen. Damit stehen Fördermittel der Stadt Blaubeuren zur Verfügung - nicht nur für Sanierungsmaßnahmen, sondern auch für die Umsetzung eines Planungswettbewerbes.

Der Gemeinderat der Stadt Blaubeuren beschloss in seiner Sitzung am 19.11.2019 folgende Satzung über die förmliche Festlegung des „Blautopf-Areals“ in Blaubeuren:

§ 1 Förmliche Festlegung des Sanierungsgebietes

Im nachfolgend näher beschriebenen Gebiet liegen städtebauliche Missstände vor. Dieser Bereich soll durch städtebauliche Sanierungsmaßnahmen verbessert und umgestaltet werden. Das insgesamt ca. 9,45 ha umfassende Gebiet wird hiermit als Sanierungsgebiet förmlich festgelegt und erhält die Bezeichnung „Blautopf-Areal“.
Das Sanierungsgebiet umfasst alle Grundstücke und Grundstücksteile innerhalb der in dem beiliegenden Lageplan „Blautopf-Areal“ vom November 2019 abgegrenzten Fläche. Der Plan ist Bestandteil der Satzung.


Ausgehend vom Sanierungsgebiet müssen für den Wettbewerbsumgriff zugunsten einer umfassenden Lösungsfindung leichte Modifizierungen hinsichtlich der Größe des Gebietes vorgenommen werden. Das Gebiet um die Sportplätze wird für die Verknüpfung der Wegebeziehungen in das Wettbewerbsgebiet aufgenommen. Es fallen jedoch private Grundstücke und Gebäude, wie beispielsweise das Fabrikgelände von Spohn und Burkhard aus dem Wettbewerbsgebiet heraus, bleiben jedoch im Sanierungsgebiet erhalten. Der Fokus des Wettbewerbes richtet sich primär auf öffentliche Flächen.

Die Basisarbeit für die Erstellung einer Satzung und somit des Wettbewerbes bildete eine Bürgerbeteiligung aus dem Jahr 2019 und ein Arbeitspapier vom März 2017, die die Defizite auf allen Ebenen des öffentlichen Lebens in Blaubeuren beleuchteten und gleichzeitig die schützenswerten Bereiche von der Natur bis zur Innenstadt aufzeigen. Es wurden verschiedene Arbeitsgruppen gebildet und die Aspekte und Verbesserungsvorschläge konnten erarbeiten werden.

Diese Grundlagenarbeit war essentiell für planerische Vorstudien. Die Vorplanungen wurden im Bereich Verkehr, Neuorganisation der Funktionen um den Blautopf, Verknüpfung von der Innenstadt mit öffentlichen Einrichtungen, wie URMU, Sportstätten, Schulen, dem Stadtpark, die verkehrliche Situation „Auf dem Graben“ und nicht zuletzt den Blautopf selbst, erstellt.

Das Sanierungsgebiet deckt sich in weitesten Teilen mit dem Wettbewerbsgebiet. Ausnahme bildet der Bereich um die Sportplätze, die in den Ideenteil aufgenommen wurden um ein ganzheitliches Konzept - auch was die Wegeführungen angeht - zu erreichen.

Da die Vorplanungen nur einige wenige Varianten an Lösungsmöglichkeiten darstellen und die Aufgabenstellung komplex ist, bietet ein Wettbewerb eine gute Möglichkeit Lösungen breit gefächert zu erhalten. Das Gebiet um den Blautopf ist eingebunden in ein Netzwerk an Abhängigkeiten. Aus dieser Komplexität eine gesamtheitliche Lösung zu entwickeln, bedingt die Arbeit von Architekten, Stadtplanern und Landschaftsarchitekten. Verkehrsplaner und Denkmalpfleger ergänzen die Fachkommission. Persönliche Aspekte und Sichtweisen sind in die Vorplanungen durch die Bürgerbeteiligung eingeflossen, jedoch ist es ebenso wichtig aus anderen Blickpunkten von Fachleuten die Bereiche beleuchten zu lassen um sich von einseitigen Lösungsansätzen zu befreien. Der Gemeinderat in Blaubeuren wird durch Bürgerinnen und Bürger gebildet, die das Entwicklungsgeschehen um den Blautopf seit vielen Jahren begleiten. Dieses Wissen ist wichtig, um die angebotenen Lösungen aus dem Planungswettbewerb diffizil und sensibel zu bewerten.

Ein weiterer Aspekt, warum ein Wettbewerb nötig wird, ist die rechtliche Festlegung der öffentlichen Vergabe nach den Richtlinien für Planungswettbewerbe (RWP). Ab 214.000.-€ geplanter Baukosten muss die Vergabe öffentlich erfolgen.

Das Wettbewerbsgebiet des Ideen- und Realisierungswettbewerbes Blautopf-Areal setzt sich aus einem Ideenteil und einem Realisierungsteil zusammen.

Der Ideenteil selbst beinhaltet zusätzlich zum Realisierungsteil zwei Vertiefungsteile.

Die Entwurfsaufgaben im übergeordneten Ideenteil (siehe Plan) stellen Anknüpfungspunkte, die die ganze Stadt Blaubeuren betreffen, dar. Angefangen von der Steigerung der Aufenthaltsqualität am Blautopf, der Verbindung der Innenstadt mit dem neu zu planenden Stadtpark, die Verbesserung der Verkehrssituation „Auf dem Graben“ und die, bestimmt durch das Zusammenspiel von Ideenteil und Realisierungsteil, übergeordnete Leitidee über das stimmige Gesamtkonzept des Wettbewerbes.

Realisierungsteil Blautopf

Der Bereich um den Blautopf soll in vielerlei Hinsicht neu gestaltet werden. Angefangen von neuen, verkehrsberuhigten Konzepten für Anwohner, Besucher, Lieferverkehr und Rettungsdienste über eine hochwertige Platzgestaltung bis hin zu wertigen Konzepten für die Gastronomie und den Erhalt der Sommerbühne, soll dieser Teil des Wettbewerbsgebietes nach der Entscheidung auch realisiert werden. Von Belang sind natürlich die zahlreichen einzelnen Kulturdenkmale im Bereich des Blautopfes, der, zusammen mit den Mühlkanälen, ebenfalls ein Kulturdenkmal darstellt.

Angrenzende Gebäude, wie die Hammerschmied, die Gebäude der Albwasserversorgung, und die denkmalgeschützten Gebäude der Blautopfstrasse sind Teil des Entwicklungskonzeptes. Hier sollen vor und hinter dem Naturdenkmal Blautopf die Wegesysteme neu organisiert werden – auch die Ermöglichung für Besucher auf barrierearmen Wegen den hinteren Teil des Blautopfes zu begehen.
Es wird ein Konzept als Teil des Gesamtkonzeptes mit und um den Blautopf entwickelt, welches als erstes nach der Preisrichterentscheidung umgesetzt wird.

Vertiefungsteil „Auf dem Graben“

Der zweite Vertiefungsteil „Auf dem Graben“ fokussiert sich auf die verkehrliche Situation mit ruhendem und fließendem Verkehr. Hier müssen die Planer zwischen Fußgänger, Radfahrer, Motorradfahrer, PKW- und LKW- Verkehr ebenso wie Touristen- und Linienbusse ein balanciertes Verkehrswegenetz erarbeiten, welches auf Datenerhebungen basiert.

Die Einbeziehung des Schulpausenhofes dient der Sicherung vielschichtiger Interessen. Durch Bepflanzungen, Wegeleitsysteme, Fuß- und Radwegenetze und entsprechende Ladestation für E-Biker und Motorradfahrer sollen entsprechende Positionen gefunden werden um auch die Situation vor dem Blautopf zu entschärfen.

Dieses Netz wird in den übergeordneten Ideenteil des gesamten Wettbewerbsgebietes integriert. Die Umsetzung der Planungsmaßnahme richtet sich wie der Vertiefungsteil Stadtpark nach den zeitlichen und finanziellen Möglichkeiten.

Vertiefungsteil Stadtpark

Der Vertiefungsteil  „Stadtpark“ beinhaltet die Verbesserung der Aufenthaltsqualität im Stadtpark, die Verknüpfung fuß- und radläufiger Verbindungen, sowie eine jahreszeitbedingte Bepflanzung, die ganzjährig ein hohes Maß an Attraktivität und Naherholung für Besucher und Blaubeurer bietet.

Die Funktionen des Stadtparks beschränken sich nicht nur auf einen Erholungsraum im Grünen, sondern erzeugen Treffpunkte,  Sammelstellen, Freizeit- und Sportmöglichkeiten und Entspannungszonen. Die bisherigen Funktionen, beispielsweise der Pausenhof des Gymnasiums, werden weiterhin ermöglicht. Darüber hinaus sollen geschützte und offene Bereich definiert werden, um ein ungestörtes Miteinander zu ermöglichen. Die Wasserführung eines historisch dokumentierten Grabens kann aktiviert werden, um das Thema Wassernutzung in Blaubeuren zu stärken.

Dieser Bereich wird als Vertiefungsteil genauer ausgearbeitet. Die Stadt Blaubeuren möchte auch hier eine Umsetzung ermöglichen. Dies richtet sich jedoch nach der zeitliche Organisation und den finanziellen Möglichkeiten.

Die nächsten Schritte nach der Abgabe der Entwürfe durch die Wettbewerbsteilnehmer wird die öffentliche Präsentation aller Beiträge sein, insbesondere die der Wettbewerbsgewinner.
Anschließend wird der Auftrag über die Planungsleistungen zur Umsetzung der geplanten Maßnahmen für den Blautopf vergeben. Nachdem das beauftrage Planungsbüro die Wettbewerbsplanung in eine Ausführungsplanung übertragen hat, kann die Vergabe der öffentlichen Aufträge erfolgen.


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Redakteur / Urheber
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